Akaflieg startet in Darmstadt durch!

Kann man von  0 auf 100 in unter 3s kommen, ohne in einem Sportwagen oder auf einem Motorrad zu sitzen? Und welches Fortbewegungsmittel schafft obendrein eine Spitzengeschwindigkeit von 280km/h,  ohne einen Motor zu haben??
Diese Studenten aus Darmstadt sind wahre Tool Rebels, denn sie haben wahrlich Standards in Frage gestellt.

Tage und Nächte haben sie damit verbracht, ein Segelflugzeug selbst zu konstruieren, das so schnell beschleunigen und fliegen kann.
Die Studenten aus Darmstadt gehören zur akademischen Fliegergruppe (kurz Akaflieg). Die Akafliegs sind über Deutschland verteilt, es sind Segelflugvereine, die an einer Hochschule ansässig sind und sich primär aus Hochschulangehörigen zusammensetzen.

Völlig lautlos gleitet ihr neuster Prototyp – die D43 – durch die Luft. Es ist ein selbst konstruiertes Segelflugzeug, immer auf der Suche nach günstigen Aufwinden.
Doch was nach scheinbar mühelosem Gleiten aussieht ist in Wahrheit das Ergebnis jahrelanger Planungs- Konstruktions- und Werkstattarbeit. Seit Mitte der 90er wird in Darmstadt an dem Flugzeug gearbeitet, schlaflose Nächte, unzählige Arbeitsstunden, viel Schweiß und das Know-How von drei Generationen stecken dahinter, bevor der Flieger das erste Mal in die Luft steigt. Ständig muss optimiert, repariert und erweitert werden, wenn nicht an der D43, dann an einem der sechs anderen Segelflieger der Akaflieg Darmstadt. Nicht nur neue Flugzeuge entwickeln, sondern auch alte, kaputte Flieger wieder flugfähig zu machen, das steht auf der Agenda und dafür braucht man Leidenschaft und Begeisterung. Verschrottet wird hier nichts und das ist eine echte Herausforderung, der sich die Studenten hier stellen.

Jeden Tag wird in der Werkstatt auf dem Unigelände geschraubt, lackiert und vieles mehr. Dazu vonnöten: verlässliches und hochwertiges Werkzeug, das auch den hohen Qualitätsansprüchen in der Fliegerei entspricht.  Denn jeder Fehler, jede Ungenauigkeit könnte sich rächen… Doch die Studenten erlauben sich keine Fehler, geben sich nicht mit mittelmäßigem zufrieden. Sie wissen, dass sie nur wieder in die Luft können, wenn sie als Team zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen und die Flugzeuge zu neuen Höchstleistungen antreiben. Ständig auf der Suche nach weiterem Optimierungspotential und zusätzlichen Features vergeht die Wartezeit wie im Flug.
Wer Segelflugpilot werden will, der braucht mehr als nur den normalen Autoführerschein. Erforderlich sind eine knapp zweijährige Ausbildung und viele Flugstunden, zuerst mit Fluglehrer, später alleine. Der Flugschüler muss unter Beweis stellen, dass er imstande ist, sein Flugzeug auch in Gefahrensituationen souverän zu steuern und einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch die vielen Mühen, der geflossene Schweiß und die Tage auf dem Flugplatz lohnen sich. Das Gefühl abzuheben, die Welt von oben zu sehen und das Flugzeug selbst zu steuern: unbeschreiblich.
Aber wer sind die Studenten, die ihre Tage freiwillig und ehrenamtlich in der Werkstatt verbringen? Mitmachen kann jeder, der die nötige Motivation mitbringt. Hier gibt es die geballte Kompetenz von Studierenden aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften, aber auch von Informatikern und Materialwissenschaftlern, jeder bringt eigene Stärken und Interessen mit ein. Alle verbindet die eine Leidenschaft zur Fliegerei und die Bereitschaft, sich für die Ziele des Teams einzusetzen.
97 Jahre gibt es die Akaflieg Darmstadt jetzt schon und sie wirkt jünger und dynamischer denn je. Mit unveränderter Leidenschaft bauen die Darmstädter Studenten Tag für Tag an ihren Flugzeugen und drücken damit genau das aus, was echte Tool Rebels ausmacht.